Finalistinnen 2026

Wir freuen uns sehr, die Shortlist für den erstmals zu vergebenden Ilse-Schwepcke-Preis für Reiseschriftstellerinnen bekannt zu geben. Unsere Jury hat in den letzten fünf Monaten intensiv beraten, bevor sie sich auf vier herausragende Bücher für die Shortlist geeinigt hat. Diese vier bemerkenswerten Autorinnen zeigen den abenteuerlichen Geist, die literarische Finesse und die scharfsinnige Beobachtungsgabe, die mit unserem Preis gewürdigt werden sollen.

Kontinentaldrift

Marianne Jungmaier

Fremde Länder, andere Kulturen, unbekannte Orte: Wer reist, will in Bewegung sein, will entdecken, staunen, lernen. Zwischen Armenien, New York City, Mexiko, London und Pakistan bewegt sich dieser Erzählband, nähert sich unterschiedlichen Regionen der Welt auf poetische Weise, bildreich und voller Farbe. Im Zentrum stehen dabei die Begegnungen mit Menschen, ihre individuellen Geschichten, ihre Verbundenheit mit der uns fremden Heimat. Offen, neugierig und respektvoll tritt die Erzählerin in Austausch – mit der alleinerziehenden Lilit im patriarchal geprägten Armenien, mit Gabriel, der in London Drag Shows organisiert, oder mit Tom, einem deutschen Journalisten, der in Dubai gestrandet ist. Wir entdecken Kathmandu und erkunden die Wälder Nordkaliforniens und Südfrankreichs, immer an der Seite von Fremden, die zu Freunden werden. ‘Kontinentaldrift’ ist eine Liebeserklärung an Menschen aus aller Welt, an Länder, Orte und Kulturen. Und es ist eine Einladung: zuzuhören, sich einzulassen, Brüche auszuhalten, Erwartungen abzulegen – um letztlich erfüllt und mit erweitertem Horizont anzukommen.

Rebellinnen zu Fuß

Anneke Lubkowitz

Es ist kein Zufall, dass Caspar David Friedrichs berühmtes Bild Der Wanderer über dem Nebelmeer einen Mann zeigt: Der Naturraum wird hier als Männerdomäne markiert. Frauen spielten als historische und literarische Wanderinnen selten eine Rolle. Anneke Lubkowitz, selbst von der Stubenhockerin zur Ausflüglerin geworden, hat sich aufgemacht, ihre Vorgängerinnen aufzuspüren und zu würdigen. Sie nimmt uns mit auf eine Entdeckungsreise voller überraschender Geschichten. Auf ihren Touren begegnet sie: Sophie von La Roche, Bettina Brentano, Karoline von Günderrode, Mary Shelley, Annette von Droste-Hülshoff, Mathilde Franziska Anneke, Emmy Hennings, Else Lasker-Schüler, Simone de Beauvoir, Annemarie Schwarzenbach und Octavia E. Butler. Anhand dieser Frauen zeigt sich, dass Wandern sehr viel mehr ist als das Erobern von Landschaften. Es geht vor allem um Autonomie und Freiheit – und den weiblichen Blick auf die Natur.

Das Buchcover zeigt einen jungen Jungen in blauer Kleidung, der neben einem schwarzen Hund steht. Der Hintergrund ist in einem warmen Rotton gehalten. Über dem Bild steht in großen, weißen Buchstaben der Titel „ALTE WUT“. Darunter in kleinerer Schrift fortlaufend die Unterzeile „Warum ich an den Ort reiste, von dem mein Vater einst fliehen musste“. Oben links ist der Name der Autorin „CARO MATZKO“ abgebildet, während unten rechts das Verlagslogo „PIPER“ zu sehen ist.

Alte Wut

Caro Matzko

Als Zehnjähriger floh Caro Matzkos Vater aus Ostpreußen. Er verlor seine Heimat, seine Kindheit und erlebte Dinge, die kein Mensch je vergisst. Achtzig Jahre später reist seine Tochter seine Fluchtroute zurück, auf der Suche nach Antworten. Sie will verstehen, warum sich die seelischen Verletzungen ihres Vaters in ihrem eigenen Leben fortpflanzen konnten. Wo liegt der Ursprung ihrer durchlebten Magersucht, ihrer Kämpfe gegen Depression und Burn-out? Wie vererben sich Traumata von einer Generation auf die nächste? Mit schonungsloser Ehrlichkeit und unerschrockenem Humor erzählt die bekannte Journalistin und Moderatorin von einer schmerzhaften Reise, die ihr alles abverlangt.

Kein Schnee, nimmermehr

Antje Rávik Strubel

Ski sind das älteste Fortbewegungsmittel der Menschheit und so geht mit dem Schnee viel mehr verloren als ein Wintersport: eine ganze Sprachwelt und eine existenzielle Erfahrung. Aus den Tiefen der Geschichte führen Skispuren bis zur Extremerfahrung des 90 km langen Vasalaufs: Der schwedische Skilanglaufwettbewerb ist ein Klassiker – und selbst geübte Läufer*innen wie Antje Rávik Strubel sind viele Stunden unterwegs. Lang genug, um ihrem anhaltenden „Skileiden“ auf die Spur zu kommen und über unterschiedliche Aspekte des Skifahrens nachzudenken – über Einsamkeit und Gruppenzwang, Expertentum und Mode, darüber, dass die erste Frau in Hosen eine Skifahrerin war und österreichische Radfahrer den alpinen Skiwettkampf erfanden. Über das Schwinden des Schnees und die existenzielle Verbindung zwischen dem Laufen, dem Schreiben und dem Tod.

Von den Jurorinnen

„Zu Fuß, mit dem Auto, im Flieger und auf Skiern sind die vier Short-List-Autorinnen
unterwegs. Aber auch in der Geschichte: der Literatinnen, die über die Jahrhunderte
über das Wandern und als Wanderinnen geschrieben haben, der Vertreibungen aus
Ostpreußen nach dem Zweiten Weltkrieg, der Technik des ältesten
Fortbewegungsmittels der Menschheitsgeschichte. Sie sind zu Gast, sie fühlen sich
fremd, sie fühlen sich überall und nirgendwo zuhause. Sie reisen und bewegen sich
durch die Welt mit offenen Sinnen und mit Fragen nach Sinn.“